Montag, 24. Mai 2021

Über die Dörfer

 Es gibt sie noch, die abgeschiedenen, stillen Dörfer: wenig Häuser, kaum Neubauten, alles eher alt, manches verwahrlost, anderes verlassen, wieder anderes liebevoll hergerichtet. Zwischendurch eine Rasen- oder schlimmer noch, eine Steinwüste. Aber letzteres hält sich noch(?) in Grenzen, allerdings ist unübersehbar, dass Dorfbewohner es gern ordentlich haben - zumindest in der Masse. Aber die fehlenden Neubaugebiete verhindern ein zu eintöniges Bild. Es wechseln sich also in diesen abgelegenen, kleinen Dörfer größere Hofanlagen, kleinere Höfe, Neubauten aus den 1950er Jahren bis heute ab. Die Grundstücke sind meist nicht gleichmäßig, sondern oft regelrecht ineinander verschachtelt. Die Gärten sind groß, allerdings ebenfalls auch die Parkplätze vor den Häusern. 

Man sieht noch recht viel ältere Bäume und Büsche, jedoch sind die Rasenflächen recht ausgedehnt und kurz geschnitten. Der Blick auf die meist kurzgeschorenen Rasenflächen läßt den nostalgischen Blick schärfen. Echte Gemüsegärten gibt es so gut wie gar nicht, mal ein schon aufgeworfenes Kartoffelfeld, aber das war es, keine Bohnen oder Erbsen, Erdbeeren oder Stachelbeeren. Vielleicht sind diese Gärten schön hinter den Häusern versteckt, damit niemand etwas sieht. Aber das erscheint mir unwahrscheinlich. Vielmehr zeugen die durchaus liebevoll angelegten Gärten mit Büschen, Ziersträuchen, neckischen Figuren und Steinhaufen von dem Bemühen, es „schön“ zu haben, wobei das, was „schön“ ist, sehr im Auge des Betrachters liegt, wie es so schön heißt. Für einen Nutzgarten ist da wenig Platz - und vermutlich auch Zeit, denn die scheint knapp zu sein. 

Vielleicht ist in den Dörfern die Freude darüber, sich von der Mühsal der Landarbeit emanzipiert zu haben, immer noch zu ausgeprägt, als dass man dem eigenen Nutzgarten nachtrauern würde. Es stehen auch meist genügend Autos vor der Tür, um schnell zum nächsten Supermarkt fahren zu können, der sich im nächsten oder übernächsten Ort befindet. Es fehlt aber noch mehr. In diesen kleinen, stillen Dörfern gibt es schon längst keine Läden mehr, keinen Bäcker, keinen Dorfladen, keine Schule, keine Post. Sie sind alle mit den Nutzgärten ausgezogen und offenbar vermisst sie niemand ernsthaft. Das Leben funktioniert auch ohne sie ganz gut. 

Es ist nämlich noch etwas aus diesen kleinen, stillen Dörfern verschwunden: die Armut. Den Menschen hier scheint es durchgehend sehr gut zu gehen, davon zeugen die gepflegten Häuser und Gärten, der Zierrat an und um die Häuser, die mindestens zwei, meist neueren Pkw, daneben steht dann zuweilen auch noch ein Wohnmobil. Man ist wohlhabend. Die Armut, einst ein unumgänglicher Bewohner von Dörfern ist verschwunden oder zumindest nicht mehr sichtbar. 

Sichtbar ist ein schönes Stichwort, denn sichtbar ist auch anderes nicht, etwa die Menschen. Man kann durch mehrere Dörfer gehen, bei schönstem Wetter, es ist kaum jemand zu sehen. Nicht auf den Dorfstraßen, nicht vor den Häusern, nicht in Gärten. Man geht zuweilen durch eine verlassene, stille Idylle. Und stünden da nicht überall Autos vor den Häusern, sollte man meinen, dass die Menschen ihre Dörfer zusammen mit der Post, dem Nutzgarten, dem Dorfladen, der Dorfschule verlassen haben. Wo sind etwa die alten Frauen geblieben, die wiegend mit dem Fahrrad durchs Dorf fuhren? Wo die Kinder? 

Verschwunden ist auch die Landwirtschaft. Und das ist das Seltsamste. Sicher, wenn man sich dem Dorf zu Fuß, nicht per Auto oder per Rad, nähert, dann geht man durch Felder. Große Felder, zuweilen, aber nur sehr selten, eingehegt durch Hecken, manchmal immerhin noch umgeben von einem schmalen Ackerrain, aber sonst riesige Felder. Von Menschen verlassene Felder, die nur zu bestimmten Zeiten von riesigen Maschinen bevölkert werden. Kommt man dann in die Dörfer, dann gibt es dort höchstens noch eine Hofanlage zu sehen, auf der Landwirtschaft betrieben wird. Wenn man Glück hat. Allerdings haben Pferde wieder Einzug in manche Dörfer gehalten, Pferde zum Spaß und als Hobby, nicht als notwendige Nutztiere. Aber immerhin, es riecht dann ein wenig nach Tier und Mist. 

Vielleicht habe ich nur die falschen Bilder im Kopf, Bilder von Dörfern, die über Jahrhunderte ganz aussahen, in denen das Leben nicht so leicht und einfach war wie heute, die aber nicht verlassen waren von Ente, Pferde, Kuh, Schwein, Erbsen, Bohnen, Dorfschule oder Armut. 





Donnerstag, 17. September 2020

Weiterbildung: Dörfer nach 1945

 In diesem Herbst finden wieder Weiterbildungen statt. Für die erste, die sich in Braunschweig dem Thema "Dörfer nach 1945" widmet, habe ich angefangen, eine Einführung zu schreiben, die immer noch etwas unvollständig ist, aber dennoch hier schon heruntergeladen werden kann: Die große Transformation: Dörfer nach 1945.

Dienstag, 1. September 2020

Es wird langweilig - warum ich Literatur über Dörfer und den ländlichen Raum immer weniger gern lese

Es gibt ein neues Buch, geschrieben von einem sicher klugen Mann, einem Geografen, das wieder einmal vom Landleben handelt. Betrachtet man die Literatur zum Thema, so fallen zwei Arten auf: Da sind einerseits die rein wissenschaftlichen Arbeiten wie die von Trossbach und Zimmermann oder die in Halle erscheinende Reihe, herausgegeben von Nell und Weiland. Erstere geben einen eher emotionslosen, wissenschaftlichen Überblick, letztere decken ein breites Spektrum an Themen ab, wobei - bedingt durch die Herkunft der Herausgeber - eher literaturwissenschaftliche Aspekte und dann vorrangig aus einer mittel- und osteuropäischen Perspektive betrachtet werden, was dem Thema ohne Zweifel gut bekommt.

Und dann sind da, und darauf bezog sich meine Überschrift die Bücher, die einen Überblick geben wollen, aber sich als eine Verteidigung des Landlebens oder gar des Dorfes sehen. Gerhard Henkel hat mehrere solcher Bücher geschrieben. Und ich möchte nicht mißverstanden werden: Das sind durchaus kluge Bücher mit vielen wichtigen Informationen über den ländlichen Raum. Das gilt auch für das neue Buch von Bätzing. Aber, nun kommt mein großes Aber: Mir fehlt in diesen Büchern der Widerspruch, das diskursive, sie sind linear geschrieben und folgen einem einzigen Narrativ, nämlich dem, dass das Landleben unverzichtbar für eine Gesellschaft ist (was ich auch glaube, aber was vielleicht doch zu diskutieren wäre) und es vor allem dort sehr lebenswert sei. Die alte, von Bergmann schon beschriebene Agrarromantik scheint hier immer wieder durch. 

Und hier setzen meine Zweifel an. Warum etwa, so ließe sich für die Vergangenheit fragen, war es denn so schön auf dem Dorf, wenn doch die Menschen, sowie sich die Gelegenheit ergab, die Flucht ergriffen? Nun gut, nicht alle, aber doch sehr, sehr viele. Das ist doch unlogisch, es sei, man unterstellt den Landbewohnern unlogisches Verhalten. Aber wäre das nicht wieder ein arroganter städtischer Blick auf das Dorf und seine Menschen? Also, weshalb verlassen im 19. und 20. Jahrhundert so viele Menschen ihre Dörfer, wenn es dort doch ein so schönes Leben war? Vielleicht, weil diese Bilder die andere Seite des Dorflebens ausblenden? Die Härte und Abgeschiedenheit des Alltags? Und weil sie die Machtfrage ausblenden? Im 19. Jahrhundert, in der Industrialisierung setzen die Klagen über die Landflucht ein, vorgetragen von den großen Betrieben, den Großbauern und den Gutsbesitzern. Die brauchten nämlich die einfachen Leute, damit sie die Arbeit machen konnten. Eine Arbeit, die schlecht bezahlt war, keine Aufstiegsmöglichkeiten bot und kaum Chancen, sich gegen Übergriffe der Arbeitgeber zur Wehr zu setzen. Diese Bedingungen betrafen erschreckend viele Dorfbewohner, nämlich die zahlreichen Kleinststellenbesitzer und Mieter auf den Dörfern, die in den gängigen geschönten Bildern vom Dorf gern ausgeblendet werden. Für viele von diesen war es attraktiver, in die Stadt oder in die Industrie zu gehen, obwohl es dort erst einmal nicht so viel besser war, aber es gab eben die Chance des Aufstiegs. 

Wer über die Mühen des Alltags der kleinen Leute auf dem Lande mehr erfahren will, sollte sich Franz Rehbeins Berichte aus dem Leben eines Knechts und Tagelöhners ansehen (viele der von ihm Ende des 19. Jahrhunderts beschriebenen Verhältnisse decken sich erschreckend gut mit den Berichten meiner Mutter, die Ende der 1940er Jahre Magd auf einem Bauernhof war ...). Das war auch kein Einbahnstraße, Rehberg entscheidet sich, als er die Wahl hat, weiter für das Landleben und gegen die Stadt. Aber für die meisten fiel die Wahl anders aus. 

Ehe ich mich in diesem Thema verliere, ein Szenewechsel. Heute wird ja wieder über die Benachteiligung des Landes geklagt, die Geschäfte verschwinden, die Stadt kontrolliert das Land, so ließe sich sehr knapp der Befund zusammenfassen. Gleichzeitig gibt es eine massive Ästethisierung des Landlebens. In den Medien tauchen die schönen alten Bauernhöfe auf, aber die teils schrecklichen und teils zusätzlich monotonen Neubaugebiete, die sich in die Landschaft fressen, werden dabei übersehen. Das fängt bei mir hier vor dem Haus an: Noch nicht alle, aber immer mehr, schütten ihr Vorgärten mit Steinen zu, bauen große gepflasterte Stellplätze für ihre Autos. Es ist schon absurd: Während in der Stadt die autofreie Innenstadt (wo seltsamerweise kaum jemand wohnt, aber das ist eine andere Geschichte) gefordert wird, kümmert sich hier auf dem Lande niemand um weniger Autoverkehr, ganz im Gegenteil. Während die Krise des Landlebens ausgerufen wird, die in der Benachteiligung zulasten der Städte bestehe, sieht niemand die wirkliche Krise des Landlebens: Die Zerstörung des Landes durch die Dörfer und ihre Bewohner. Es ist ja nicht nur die Art und Weise, was die „neuen“ Dorfbewohner mit ihren Grundstücken veranstalten, sondern diese neuen Grundstücke selbst sind das Problem. Und das zweite Problem sind die Verantwortlichen in den Gemeinden, die eben kein Problem darin sehen, dass ihre Neubaugebiete das zerstören, was zum alten Dorf untrennbar dazu gehörte: Eine Feldmark, die elementar für die Ernährung und das Leben der Menschen war. 

Was das bedeutet, mögen ein paar Zahlen verdeutlichen: 1800 lebten auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik weniger als 20 Millionen Menschen, weniger als ein Viertel der heutigen Bevölkerung. Davon lebte die weitaus größte Zahl auf dem Land oder in Kleinstädten (deren Bürger ebenfalls immer etwas Landwirtschaft betrieben), Fleisch wurde nur in sehr geringen Mengen verzehrt, Vieh wurde vor allem gehalten, um Dünger für den Acker zu gewinnen. Ca. 80-90 % der Menschen verbrachten mehr oder weniger große Teile ihrer Zeit auf dem Feld oder mit Arbeiten, die der Gewinnung oder Zubereitung von Nahrung gewidmet waren. Und dennoch waren die Ernährungsverhältnisse aus heutiger Sicht katastrophal, drohte fast immer ein Hungerjahr, war ein voller Magen etwas Besonderes. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn der erwähnte Franz Rehbein seine Arbeitgeber vor allem danach bewertete, ob sie reichlich und gut zu essen gaben. Das sind ferne Zeiten, die hoffentlich nicht wiederkehren, aber wer weiß das schon?

Also bitte etwas mehr Ehrlichkeit. Und mehr Differenzierung, denn das Landleben ist nicht nur von dem Aussterben der Dörfer bedroht, wie in manchen Regionen Deutschlands, sondern auch davon, dass hier zu viele mit einem zu hohen Landverbrauch leben. 


Die Bücher:

Bätzing, Werner, Das Landleben. Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform. München 2020.

Henkel, Gerhard, Der ländliche Raum: Gegenwart und Wandlungsprozesse seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland. Berlin 2004 (und neuer).

Ders.: Rettet das Doref! Was jetzt zu tun ist. München 2. Aufl. 2018

Nell, Werner; Weiland, Marc, Hrg.: Imaginäre Dörfer: Zur Wiederkehr des Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt. Bielefeld 2014.

Trossbach, Werner; Zimmermann, Clemens, Die Geschichte des Dorfes. Von den Anfängen im Frankenreich zur bundesdeutschen Gegenwart. Stuttgart 2006.


Franz Rehbein, Aus dem Leben eines Landarbeiters und Tagelöhners gibt es u.a. hier: [http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Rehbein,+Franz/Das+Leben+eines+Landarbeiters]


Samstag, 22. August 2020

Vom Wert des Ackerlandes

 Die aktuellen Debatten zwischen Nabu und Landwirtschaft sind hochinteressant, verweisen sie doch auf ein zentrales Problem unserer aktuellen Debatten, sie gehen an einem zentralen Aspekt vorbei: dem exzessiven Verbrauch von Ackerflächen für Siedlungen und Verkehr! Derzeit sind es etwa 56 ha täglich (!), die in diesem Land für Siedlung und Verkehr verloren gehen; zwischen 1992 und 2017 waren das insgesamt 1,29 Millionen ha!

Das Umweltbundesamt schreibt dazu: 

„Insgesamt sind die Inanspruchnahme immer neuer Flächen und die Zerstörung von Böden auf die Dauer nicht vertretbar und sollten beendet werden. Angesichts global begrenzter Landwirtschaftsflächen und fruchtbarer Böden sowie der wachsenden Weltbevölkerung ist der anhaltende Flächenverbrauch mit all seinen negativen Folgen unverantwortlich. Dies gilt auch und besonders mit Rücksicht auf künftige Generationen.“ (https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/flaeche/siedlungs-verkehrsflaeche#anhaltender-flachenverbrauch-fur-siedlungs-und-verkehrszwecke-)

Diese Zerstörung von Natur in großem Stil findet auch in Schaumburg statt. In Nienstädt soll eine Umgehungsstraße gebaut werden, in Bad Nenndorf ein großes Werk für VW, fast jede Gemeinde ist „stolz“ auf ihre Neubaugebiete, immer mehr Eigenheimbesitzer pflastern ihre Grundstücke zu oder legen „Gärten des Grauens“ an. Nahezu grotesk mutet es dann an, wenn - wie gerade in Bad Nenndorf - davon die Rede ist, „Ausgleichsflächen“ zu schaffen: Woher sollen die denn kommen? Allerdings gibt es nicht nur das Negieren dieses enormen Flächenverbrauchs, sondern Ackerland wird als weniger „wertvoll“ angesehen als naturnahe Flächen. Wenn wir also genug „naturnahe“ Flächen ausweisen, so die Annahme, sei das Problem gelöst. Diese Flächen sind dann logischerweise Ackerland ...

Was bei der Zerstörung von Ackerland gern vergessen wird: Wenn wir ökologisch angebaute Nahrungsmittel haben wollen, dann brauchen wir das gute Ackerland! Aber genau diese Flächen werden zugunsten von Neubaugebieten, Straßen und Gewerbegebieten zerstört und zwar unwiederbringlich. Während die vermeintlich „wertvollen“ Flächen noch einen gewissen Schutz erfahren, gilt das für Ackerland nicht. 

Für die Menschen vor 200 Jahren, die immer mit katastrophalen Hungersnöten rechnen mussten, war es klar, dass Ackerland schützenswert war, weil es die Ernährung der Menschen (zusammen mit der Nutzung von Gemeinheiten und Weiden) sicherte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, auf den besten Böden der jeweiligen Gemarkung Häuser zu bauen. Heute finden wir ein solches Verhalten normal. Das kann man gut in einigen Gemeinden Schaumburgs sehen. In Altenhagen (Hagenburg) beispielsweise sind große Teile des ursprünglichen Ackerlandes mittlerweile ein riesiges Gebiet mit Einfamilienhäusern geworden.  

Das Ziel muss dagegen sein, den Flächenverbrauch massiv weiter zu senken, anstatt ihn zu erhöhen und dabei nicht nur auf naturnahe Flächen zu sehen. Das setzt neue Ideen und vor allem neue Verhaltensweisen voraus, an denen es aber offenkundig auch in Schaumburg mangelt. So würde eine Wiederinbetriebnahme der Eisenbahn zwischen Rinteln und Stadthagen keine Flächen verbrauchen, eine Umgehungsstraße aber sehr wohl. Erstaunlich ist an den Nienstädter Verhältnissen, dass im Unterschied zum Auetal offenbar der Widerstand nicht breiter ausfällt gegen eine großflächige Zerstörung von Landschaft und Ackerland.

Ohne ein strukturelles Umdenken in Sachen Flächenverbrauch und eine Neubewertung von Ackerland werden die jetzt geführten Auseinandersetzungen wenig an den entscheidenden Problemen ändern. 

Montag, 3. Juni 2019

Das Grau(en) der Dörfer

Es ist eine interessante Erfahrung, zu Fuß durch die Dörfer zu gehen; denn dann bieten sich interessante Einblicke in dörfliches Leben. „Interessant“? Ich könnte auch schreiben: Erschreckend, aufregend, ernüchternd. Und ja, auch manchmal hoffnungsvoll. Weshalb diese skeptische Einführung und aus welcher Perspektive geschrieben? Unsere Welt steht vor großen Herausforderungen, unsere Umwelt ist gefährdet und damit unsere Zukunft. Okay, das können andere besser formulieren, aber seltsamerweise sieht niemand auf ein paar Details, die sich aufdrängen, wenn man nicht nur über die Dörfer geht, sondern auch noch zum Vergleich Landkarten ansieht. Das Dresdner [Kartenforum] bietet hierfür eine faszinierende Grundlage. Der Vergleich der Siedlungsverhältnisse zwischen etwa 1900 (im Norden meist die Preußische Landesaufnahme aus der Zeit um 1900) mit den heutigen Siedlungsverhältnissen zeigt erschreckende Ergebnisse, die besonderes bei Städten auffallen. Kleinstädte umfassten um 1900 häufig noch den frühneuzeitlichen Umfang, größere Städte waren zwar in dieser Zeit über die frühneuzeitlichen Grenzen hinausgewachsen, aber sie waren meist noch umgeben von einer stadtnahen Landschaft aus Feldern und Dörfern. Selbst Berlin war damals nur teilweise über den S-Bahn Ring hinausgewachsen.
In den 100 Jahren danach sind fast alle Siedlungen in einem dramatischen Umfang gewachsen, aber nicht nur die größeren Städte, die die einst umliegenden Dörfer längst eingemeindet und zu dicht bebauten Stadtteilen gemacht haben, sondern auch die kleinen Städte und die Dörfer sind weit über ihre früheren Grenzen hinaus gewachsen. Nie dürfte die Siedlungslandschaft in so kurzer Zeit so gravierend verändert worden sein.
Was das bedeutet, kann man bei den bewußten Spaziergängen gut beobachten. Neben den alten Dorfstrukturen gibt es mindestens zwei neue „Ringe“, die die Dörfer verändert haben: Da sind zum einen die Siedlungen, die in den späten 1950er und den 1960er Jahren meist für die Flüchtlinge gebaut wurden und die sich meist durch eine eher eintönige Gestaltung auszeichnen, auch wenn jeder Hausbesitzer versucht hat, Individualität umzusetzen. Dann kommen die Neubausiedlungen seit den 1970er Jahren, die gerade in den letzten Jahren durch weitere Siedlungen ersetzt worden sind. Sie könnten auch in Kleinstädten oder selbst am Rande von Großstädten stehen. Es sind eben Eigenheime, möglichst „individuell“ gestaltet, von Dörflichkeit ist bei ihnen meist nichts zu sehen. Diese neuen Siedlungsteile machen in den meisten Dörfern aber den Großteil der bebauten Flächen aus. Mit den schönen Bildern von Dorf hat das jedenfalls nichts zu tun.
Was ich aber jenseits der manchmal sehr, sagen wir mal „experimentellen“ architektonischen Gestaltung problematisch finde, ist etwas anderes. Würde man die neuen „Dorfbewohner“ fragen, weshalb sie nicht in der Stadt wohnen, dann dürfte die Natur keine unwichtige Rolle spielen. Aber bitte: Weshalb vernichtet ihr in ihren Vorgärten und Nachgärten möglichst alles Natürliche? Der kurzgeschorene Rasen und das Immergrün wirken ja schon fast natürlich angesichts des neuesten Trends, möglichst jede Fläche auch jenseits der meist großzügig bemessenen Pflasterungen für das liebe Auto nun mit Folie zu unterlegen und dann graue Steine darauf zu packen. Dasselbe Spiel wiederholt sich bei Mauern. Alles muss offenbar schön steril sein auf dem Land im Reiche der Neubürger. Was bitte geht hier vor?
Was das Ganze noch problematischer macht: Die Neubausiedlungen werden meist auf Ackerland angelegt - alle wollen natürlich produzierte Nahrungsmittel essen, aber niemand fragt sich, woher die kommen sollen, wenn immer mehr Felder zu sterilen Neubaugebieten werden. Wenn dann wenigstens möglichst viel naturnahe Flächen auf den Grundstücken entstehen würden, aber hier scheint das Graue(n) gerade derzeit auf dem Vormarsch zu sein.   

Donnerstag, 8. Juni 2017

Wanderungen

Über Pfingsten war ich wieder in meiner alten Heimat. An drei Tagen bin ich fast 50 km durch fünf Dörfer, einen Flecken, eine kleine Kleinstadt und viel Landschaft gelaufen. Es war eine interessante Erfahrung. 
Da war die eine, dass ich nur wenige Menschen getroffen habe, die aber durchaus freundlich grüßten. Eine Frau kam gerade aus einem Haus heraus, sah mich den Berg hinauf gehen und wartete extra auf mich, um mit mir ein kleines Schwätzchen anzufangen. Es war in einem Nachbardorf meines Geburtsortes, dort, wo unsere Kirche war (und immer noch ist). Sie kannte meine Eltern gut und so hatten wir einiges zu besprechen. Gewohnt habe ich auch in einem Nachbardorf bei einer ehemaligen Mitschülerin, die allerdings auch nicht aus meinem Dorf stammt, sondern aus einem weiteren Nachbardorf. Vielleicht ist das symptomatisch: Im Gegensatz zu mancher Dorfforschung sind die Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen nicht auf ein Dorf bezogen, sondern bestehen in einer Gruppe nahe beieinander liegender Dörfer, in denen allein durch Schule, Kirche und Arbeit Netzwerke entstanden sind. 
Ich war an diesen Tagen der einzige Fußgänger und habe es genossen. Allerdings wirken die meisten der Orte, in denen ich war, verlassen. Das gilt auch für die Kleinstadt, die keine bemerkenswerten touristischen Angebote hat und selbst am Samstag sehr ruhig wirkte, die meisten Stadtbewohner kauften gerade in dem Supermarkt am Rande des Ortes ein, wobei selbst dieser Supermarkt eher bescheiden wirkte. 
In dem erwähnten Flecken sah es am Pfingstsonntag schon anders aus, die Nähe des Steinhuder Meeres läßt diesen Ort teilweise von den Touristenströmen profitieren und verschaffte mir einen landestypischen (vor allem als Wahlhannoveraner) Imbiss. 
Am Steinhuder Meer musste ich mir strecken- und zeitweise meinen Weg mit den fahrradfahrenden Touristen teilen, nicht schön, besonders wenn ich daran denke, wie leer es noch vor 45 Jahren hier war! Das Bruch am Südufer des Steinhuder Meeres mit dem Blick auf das kleine Hochmoor, in dem einst eine „befestigte Landschaft“ sich befand, eingrahmt von den Rehburger Bergen im Westen und dem Wiedenbrügger Berg im Süden, ist für mich immer noch ein besonderer Ort. Früher gehörte das Singen der Lerchen zu diesem Flecken Erde genauso dazu, wie das metallische Klappern des Baggers der Ziegelei Himmelreich und das Dröhnen der Noratlas und später Transall vom Flughafen Wunstorf. Von all dem ist, bis auf wenige Lerchen, nichts mehr zu hören. Stattdessen preschen jetzt radfahrende Großstädter über die Feldwege ohne allzu viel Zeit auf die Landschaft zu verschwenden. Faszinierend aber auch, wie sie alle auf dem ausgezeichneten Weg bleiben, keiner kommt auf die Idee, vom Weg abzuweichen, schön für mich, aber doch auch traurig. Sie reißen ihre 35 km um das Steinhuder Meer ab, auf Entdeckungsreise geht aber niemand. 
Unsere Dörfer wirken leer, wenn auch nicht verlassen, hier grüßt man auch den Fremden (bis auf eine Ausnahme, dazu gleich mehr), fängt sogar, siehe oben, ein Schwätzchen an. Die meisten Häuser sind wohlgepflegt, in dem Dorf, in dem ich diese Tage übernachtet habe, gibt man sich besondere Mühe. Hier gibt es sogar einen funktionierenden Hofladen - die dort gekauften Äpfel sind übrigens von besonderer Güte! Dorfgaststätten dagegen sind verschwunden, auch sonst gibt es nichts für den Wanderer. Während wir in der Großstadt (sofern man Hannover für eine solche hält) gerade Jagd auf den Autoverkehr machen, gehört das Autofahren hier zum guten Ton - ohne Auto geht gar nichts. Selbst Fahrradfahrer sind nur selten zu sehen, und dass, obwohl auch etwas abseits des Steinhuder Meeres mehr und mehr Ferienwohnungen zu finden sind. Was läuft da schief? Oder läuft da gar nichts schief, ist es nur der irritierte Blick von jemanden, der mit den falschen Vorstellungen ins Dorf kommt? Aber es gibt ja auch von den Dorfbewohnern Klagen über die schlechte Infrastruktur und den Zustand des Dorfes. Besonders meines Geburtsortes, des Ortes, in dem ich die ersten 21 Jahre meines Lebens verbracht habe. Wo einst unser Dorfladen samt Kneipe und Saal standen, der Mittelpunkt unseres Dorfs, kann man jetzt noch die Fundamentreste des Saales bewundern und das Dickicht, das sich über den Resten der früheren Anlage erstreckt. Die alte Schule gibt es noch, aber wo vorher ein schöner Garten vor der Lehrerwohnung war, ist jetzt ein Parkplatz!! Die alte Bahnhofsgaststätte steht noch, erinnert aber eher an ein Provisorium, daneben Bauzäune und unsere langsam verfallende ehemalige Molkerei. Mitten auf freien Flächen im Dorf stehen, ich kann es nicht anders beschreiben, seltsame, überdimensionierte Bungalows. Alles macht einen lieblosen, nachlässigen Eindruck. Hier hat sich ein Dorf aufgegeben, so kommt es mir jedenfalls vor, aber vielleicht ist auch alles anders. Da fällt es kaum noch auf, dass am Ortseingang nicht der Name dieses Dorfes, sondern der Gemeinde steht, zu der dies Dorf gehört. Vielleicht passt es dazu, dass ich gerade hier nicht gegrüßt wurde (allerdings war ich bei alten Freunden zum Kaffee gern gesehen). 

Dienstag, 15. Dezember 2015

Experimentierfeld Dorf

Eigentlich wollte ich hier einen kurzen Bericht über einen Workshop (der den Titel dieses Beitrags hatte!) schreiben, an dem ich letzte Woche in Halle teilgenommen habe, aber ich muss etwas ausholen, um meine Bewertung dieses Workshops verständlicher werden zu lassen.
Ich springe in die 1980er Jahre zurück, damals wurden das Dorf und die Auseinandersetzung damit interessant. Einerseits schuf die Dorferneuerung neue Tätigkeitsfelder für Architekten, Kulturwissenschaftler und ab und an auch Historiker, andererseits zogen immer mehr Städter aufs Land und entdeckten dieses. In Hannover taten sich damals einige Kollegen zusammen und führten nicht nur eine gemeinsame Vorlesung durch, sondern schrieben auch ein kleines Büchlein, „Annäherungen an das Dorf“ nannte es sich und verdeutlichte schon die komplexe Herausforderung, sich dem Phänomen „Dorf“ zu stellen. Daraus ergab sich ein kleines Forschungsprojekt, in dessen Verlauf ein „Profil“ durch Niedersachsen gelegt und Dörfer auf einer Linie zwischen Ostfriesland und dem Harz zunächst auf einer statistischen Basis untersucht wurden. Der Historiker der Gruppe, zu der ein Architekt und Dorfplaner, zwei Soziologen und ein Agrarwissenschaftler gehörten, gab mir damals den Platz frei, so dass ich an diesem Projekt beteiligt war. Es war übrigens finanziell knapp ausgestattet, für mehr als kleine Honorare, Fahrt- und Übernachtungskosten reichte das Geld nicht. Es war eine spannende Zeit, wir debattierten sehr viel und lange über das Phänomen Dorf, die Positionen zwischen Soziologen und Historikern auf der einen und den Planern auf der anderen Seiten lagen zuweilen weit auseinander. Soziologen und Historiker kritisierten vor allem den unkritischen Umgang mit dem Thema Dorf. Planer hatten damals einen stark verklärenden, visuellen Eindruck vom Dorf. „Dachlandschaften“ und Ortsmittelpunkte (wo intensives soziales Dorfleben generiert werden sollte), standen höher als eine Auseinandersetzung mit den vorhandenen sozialen, politischen und kulturellen Verhältnissen. Der „Wortführer“ dieser ästhetischen Annäherung an das Dorf war übrigens Wilhelm Landzettel, dem wir prächtige Bildbände zu verdanken haben, dessen Analysen aber für Gesellschaftswissenschaftler irritierend wirkten. Zurück zum Projekt:
Nachdem wir die statistische Aufarbeitung der Dörfer beendet hatten, gingen wir an die Untersuchung einer Gemeinde, allerdings einer Samtgemeinde, die erst durch die Gebiets- und Verwaltungsreform zusammen gewürfelt war. Wir suchten uns für die weitere Arbeit einzelne Dörfer dieser Samtgemeinde heraus. Die Soziologen beklagten, dass sie nicht genug Zeit für eine sorgfältige Lokalstudie hatten. Als „Ausweg“ führten sie Interviews mit Zugezogenen und kamen zu interessanten Ergebnissen, etwa dem, dass das „Dorf“ als Bezugspunkt für soziales Leben häufig überschätzt wird! Wir Historiker (damals war noch eine weitere Kollegin dabei) gingen in ein anderes Dorf, in dem die Dorferneuerung ein wichtiges Thema war und beschäftigten uns im Rahmen eines Volkshochschulkurses mit der Dorfgeschichte. Am ersten Abend waren ca. 30 Personen anwesend, und als wir sie fragten, weshalb sie gekommen seien, erhielten wir zur Antwort, dass Herr B., der Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins, ihnen gesagt hätte, sie sollten kommen. Herr B. war Zugezogener, lebte in einem älteren Haus in der Mitte zwischen altem Dorf (und zwar dem Teil, wo die Meierhöfe standen) und einer kleinen Neubausiedlung. Sein Wort galt jedenfalls etwas.
Nebenbei nutzten wir den Kurs, um Kontakte für offene Interviews mit einigen der Teilnehmer zu erhalten. Die meisten Interviewpartner waren Frauen und sie eröffneten bemerkenswerte Blicke auf das Phänomen Dorf aus weiblicher Sicht. Mehr dazu in diesem Blog!
Die Ergebnisse dieser Studien wurden auch veröffentlicht, aber leider so unscheinbar und abgelegen, dass sie kaum Leser gefunden haben dürften. Schade.
Wir führten damals auch mit anderen Kollegen Debatten um das Thema Dorf und immer wieder mussten wir uns mit sehr schlichten, einfachen, idyllischen Bildern auseinandersetzen. Mein Beitrag zur Dorfgeschichte in Niedersachsen lautete übrigens „Das imaginäre Dorf“. Er richtete sich u.a. gegen die vereinfachten Vorstellungen vom Dorf, wobei hier simple historische Arbeit betrieben wurde. Als ich diesen kleinen Beitrag vor einem Jahr in die LernWerkstatt Geschichte eingestellt habe, stieß ich bei einer Recherche auf einen fast gleichnamigen Band über „Imaginäre Dorf“ von Werner Nell und Marc Weiland. Und dadurch kam der Kontakt zustande, der zu der Teilnahme an dem Workshop über das „Experimentierfeld Dorf“ letzte Woche in Halle führte. 
Nun gibt es derzeit wieder eine neue „Lust“ am Landleben und am Dorf. Was hat das für Folgen für Wissenschaftler, die nicht den - wie ich ein wenig dachte - kritischen Blick auf das Dorf haben, sondern eher gefangen sind in den einfachen Bildern des Dorfes? Nun, um es kurz zu machen, meine Bedenken wurden nicht nur zerstreut, sondern ich wurde vom Gegenteil überzeugt. Die in Halle geführten Beiträge und Debatten bewegten sich auf einem überzeugenden methodischem und theoretischen Niveau. Im Vergleich dazu war das, was wir Ende der 1980er Jahre gemacht haben, fast stümperhaft. Gleich, ob Dörfer aus der DDR, Polen oder Weißrussland behandelt wurden, ob es um die Auseinandersetzung mit literarischen oder architektonischen Perspektiven ging, es wurden komplexe Zusammenhänge heraus gearbeitet. Die Vielfalt der Perspektiven und Deutungen (etwa die Frage, ob das Uneigentliche des Dorfes nicht das Eigentliche sei …) war immer wieder faszinierend. Für den Westdeutschen wie mich war nicht so sehr die Erweiterung auf die DDR (ach, die Kinder von Golzow im Oderbruch …), sondern die nach Polen und Weißrussland spannender, etwa der Bezug zwischen dörflicher Sprache und der der „Hochkultur“. Manches knüpfte gleichsam an das an, was wir 25 Jahren zuvor allerdings mit viel einfacheren Mitteln unternommen hatten, wie die gezielte Befragung von Zugezogenen oder von Frauen. Dazu kam bei den Vortragenden keine Idyllisierung des Dorfes (wobei immer wieder betont wurde, dass es „das“ Dorf ja gar nicht gebe), sondern eine durchaus differenzierte Bewertung der jeweiligen Verhältnisse. Auch wenn es dezidiert, zumindest nach meinen Eindrücken, nie formuliert wurde, so war die Frage nach dem gesamtgesellschaftlichen Stellenwert des Dorfes, des ländlichen Raumes oder dessen, was dafür gehalten wird, ein durchgängiges Thema. Die Frage nach dem „guten Leben“ ist eben nicht nur eine Frage, die „das“ Dorf betrifft, sondern die von gesellschaftlicher Relevanz ist, weil sie sehr individuell beantwortet wird. An mehreren Stellen trat auch das alte Thema des zu kolonisierenden Dorfes auf, der Dorfbewohner, die für sich allein nicht entscheiden können, was „richtig“ für sie ist, die sich externen gesellschaftlichen Normen nicht stellen wollen, seien es die Dorfbewohner, die während der Kollektivierung in SBZ und DDR sich vor ihre „Feudalherrin“ stellen und von der SED-Elite zum „besseren“ Leben gezwungen werden müssen, seien es die alten Bewohner von Dörfern, denen die Zugezogenen erst meinen zu vermitteln müssen, was „richtiges“ Dorfleben ist.
Die Bilanz dieser Tagung ist ausschließlich positiv, sie war anregend und wegweisend. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt.

Der Sammelband hieß:
Hauptmeyer, Carl-Hans, u.a.: Annäherungen an das Dorf : Geschichte, Veränderung und Zukunft, Hannover 1983.
Das kleine Büchlein zu unserem Projekt:
Das Profil: Untersuchung der Probleme und Entwicklungspotentiale ländlicher Gemeinden in Niedersachsen (Arbeitsmaterial/Akademie für Raumforschung und Landesplanung 169). Hannover 1990. Autoren des Bandes waren u.a. Heinar Henckel, Hans-Werner Wöbse, Carsten Reinecke.
Mein kurzer Text, den ich heute nicht mehr so schreiben würde, findet sich hier: http://www.lwg.uni-hannover.de/w/images/3/3c/Schneider_imaginäre_Dorf_2014.pdf 
Über das Projekt in Halle gibt es hier alle wichtigen Informationen samt dem erwähnten Buchtitel:

http://www.dorfatlas.uni-halle.de